Was ist the Try and Hire Model in IT?

Was ist das „Try and Hire”-Modell in der IT?

Definition des „Try and Hire”-Modells

„Try and Hire” (wörtlich „ausprobieren und einstellen”) ist ein flexibles Rekrutierungs- und Beschäftigungsmodell, das Elemente einer temporären oder kontraktbasierten Zusammenarbeit (häufig über Staff Augmentation realisiert) mit der Möglichkeit einer späteren Festanstellung des Spezialisten durch den Auftraggeber verbindet.

In diesem Modell beginnt der IT-Spezialist seine Arbeit beim Auftraggeber zunächst auf Kontraktbasis (z. B. für einen Zeitraum von 3, 6 oder 12 Monaten). Nach Ablauf dieser Probezeit hat der Auftraggeber — sofern beide Seiten mit der Zusammenarbeit zufrieden sind — die Option, dem Spezialisten eine Festanstellung anzubieten. Das Modell kombiniert somit die Flexibilität von Staff Augmentation mit der Perspektive einer langfristigen Bindung.

Wie funktioniert „Try and Hire”?

Der typische Ablauf

Der Prozess wird in der Regel vom Auftraggeber initiiert, der einen Mitarbeiter sucht, aber das Risiko einer traditionellen Festanstellung minimieren möchte:

  1. Bedarfsmeldung — Der Auftraggeber definiert das Anforderungsprofil und meldet seinen Bedarf beim Staff-Augmentation-Anbieter
  2. Kandidatensuche — Der Anbieter identifiziert und präsentiert passende Kandidaten aus seinem Netzwerk
  3. Auswahlprozess — Der Auftraggeber führt Interviews und technische Assessments durch
  4. Kontraktphase — Der ausgewählte Spezialist beginnt seine Arbeit auf Basis eines Dienstleistungsvertrags zwischen Anbieter und Auftraggeber (Staff Augmentation)
  5. Evaluierungsphase — Während des vereinbarten Zeitraums bewertet der Auftraggeber die Fähigkeiten, das Teamfit und die Arbeitsleistung des Spezialisten
  6. Übernahmeentscheidung — Bei positiver Bewertung unterbreitet der Auftraggeber dem Spezialisten ein Festanstellungsangebot
  7. Übergang — Formale Übernahme des Spezialisten, einschließlich Zahlung der vereinbarten Übernahmegebühr

Typische Vertragslaufzeiten

ProbezeitAnwendungMarktüblichkeit
3 MonateStandardrollen, schnelle EvaluationAm häufigsten
6 MonateSeniorpositionen, komplexe ProjekteHäufig
9 MonateFührungskräfte, strategische RollenGelegentlich
12 MonateC-Level, hochspezialisierte PositionenSelten

Vorteile für den Auftraggeber

Das „Try and Hire”-Modell bietet Auftraggebern zahlreiche strategische Vorteile:

Risikominimierung bei der Rekrutierung

Der größte Vorteil ist die signifikante Reduzierung des Fehlbesetzungsrisikos. Laut Branchenstudien scheitern bis zu 30 % der traditionellen IT-Einstellungen innerhalb der ersten 12 Monate. „Try and Hire” ermöglicht eine fundierte Entscheidung auf Basis realer Arbeitsergebnisse statt auf Basis von Interviews und Lebensläufen allein.

Umfassende Bewertung

Während der Kontraktphase kann der Auftraggeber folgende Aspekte evaluieren:

  • Technische Fähigkeiten — Programmierqualität, Architekturverständnis, Problemlösungskompetenz
  • Soft Skills — Kommunikation, Teamarbeit, Eigeninitiative
  • Kulturelles Fit — Passung zur Unternehmenskultur und den Teamwerten
  • Arbeitsethik — Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Engagement
  • Lernfähigkeit — Anpassung an neue Technologien und Prozesse

Verkürzte Time-to-Productivity

Da der Spezialist bereits während der Kontraktphase produktiv arbeitet, gibt es keinen Produktivitätsverlust beim Übergang zur Festanstellung. Der Onboarding-Prozess ist de facto bereits abgeschlossen.

Budgetflexibilität

In der Kontraktphase werden die Kosten aus dem Projektbudget (OPEX) finanziert, nicht aus dem Personalbudget. Erst bei der Übernahme wechselt die Kostenallokation. Dies gibt Unternehmen finanzielle Flexibilität, insbesondere wenn Headcount-Genehmigungen zeitaufwendig sind.

Vorteile für den IT-Spezialisten

Fundierte Entscheidungsgrundlage

Das Modell ermöglicht dem Spezialisten:

  • Kennenlernen des Unternehmens — Einblick in die tatsächliche Arbeitsumgebung, Managementkultur und Teamdynamik
  • Projektbewertung — Verständnis der technischen Herausforderungen und Wachstumsmöglichkeiten
  • Kultureller Test — Prüfung, ob die Unternehmenskultur zu den eigenen Werten und Erwartungen passt
  • Verhandlungsposition — nach bewiesener Leistung steht der Spezialist in einer starken Verhandlungsposition für die Festanstellungskonditionen

Nahtloser Übergang

Statt des abrupten Wechsels von der Freiberuflichkeit in eine Festanstellung ermöglicht „Try and Hire” einen graduellen Übergang, der für beide Seiten komfortabler ist. Der Spezialist kennt bereits die Kollegen, die Prozesse und die Werkzeuge.

Sicherheitsnetz

Sollte die Zusammenarbeit nicht den Erwartungen entsprechen, kehrt der Spezialist zum Staff-Augmentation-Anbieter zurück, der ihm in der Regel zeitnah ein neues Projekt vermittelt. Es gibt also kein Risiko einer Arbeitslosigkeit.

Die Rolle des Dienstleisters

Der Staff-Augmentation-Anbieter spielt eine zentrale Rolle im „Try and Hire”-Prozess:

Kernaufgaben des Anbieters

  • Talentakquise — Identifikation und Ansprache geeigneter Kandidaten aus dem eigenen Netzwerk und dem Markt
  • Vorqualifizierung — technische und persönliche Bewertung der Kandidaten vor der Präsentation beim Auftraggeber
  • Vertragsmanagement — Formale Beschäftigung des Spezialisten während der Kontraktphase (Arbeitsvertrag, Sozialversicherung, Steuern)
  • Begleitendes Coaching — Regelmäßiger Austausch mit dem Spezialisten und dem Auftraggeber während der Probezeit
  • Übergangsmanagement — Verhandlung und Abwicklung der Übernahmekonditionen

Buy-Out-Gebühr

Ein zentrales Element des „Try and Hire”-Modells ist die Buy-Out-Gebühr (Übernahmegebühr), die der Auftraggeber an den Anbieter zahlt, wenn er den Spezialisten fest einstellt. Diese Gebühr:

  • Kompensiert den Anbieter für den Verlust eines produktiven Mitarbeiters
  • Deckt die Kosten der ursprünglichen Rekrutierung und Qualifizierung
  • Ist in der Regel gestaffelt — je länger die Kontraktphase, desto niedriger die Gebühr
  • Beträgt typischerweise zwischen 1 und 3 Monatsgehältern des Spezialisten

Typische Staffelung der Buy-Out-Gebühr:

KontraktdauerBuy-Out-Gebühr
Nach 3 Monaten3 Monatsgehälter
Nach 6 Monaten2 Monatsgehälter
Nach 9 Monaten1 Monatsgehalt
Nach 12 Monaten0,5 Monatsgehälter oder entfällt

Wann ist „Try and Hire” die richtige Wahl?

Ideale Szenarien

Das Modell ist besonders wertvoll in folgenden Situationen:

  • Schlüsselpositionen — Rollen mit hoher strategischer Bedeutung, bei denen eine Fehlbesetzung erhebliche Konsequenzen hätte (z. B. Softwarearchitekt, CTO, Engineering Manager)
  • Nischentechnologien — Positionen, die spezialisierte Fähigkeiten erfordern, die schwer in einem Standardinterview zu verifizieren sind (z. B. Kubernetes, ML Engineering, SAP ABAP)
  • Teamaufbau — Wenn ein neues Team für ein neues Projekt aufgebaut wird und die Teamdynamik erst erprobt werden muss
  • Kulturwandel — Unternehmen, die bewusst neue Impulse setzen wollen und sicherstellen möchten, dass neue Mitarbeiter zur gewünschten Kultur beitragen
  • Internationale Rekrutierung — Bei der Einstellung von Fachkräften aus anderen Ländern, wo die kulturelle und fachliche Integration besonders wichtig ist

Weniger geeignete Szenarien

„Try and Hire” ist weniger sinnvoll, wenn:

  • Die Position dringend und sofort dauerhaft besetzt werden muss
  • Der Auftraggeber kein realistisches Festanstellungsangebot machen kann (z. B. aufgrund von Gehaltsbudgetbeschränkungen)
  • Die Rolle rein projektbasiert ist und keine langfristige Perspektive bietet
  • Der Markt für die gesuchte Qualifikation so angespannt ist, dass Kandidaten keine Kontraktphase akzeptieren

Vertragliche Aspekte

Wichtige Vertragsklauseln

Ein gut strukturierter „Try and Hire”-Vertrag sollte folgende Punkte abdecken:

  • Dauer der Evaluierungsphase — klar definierter Zeitraum für die Probearbeit
  • Übernahmeoption — präzise Bedingungen, unter denen der Auftraggeber den Spezialisten übernehmen kann
  • Buy-Out-Gebühr — Höhe und Staffelung der Übernahmegebühr
  • Ankündigungsfrist — wie früh der Auftraggeber seine Übernahmeabsicht mitteilen muss
  • Konkurrenzverbot — ob und wie lange der Auftraggeber den Spezialisten nicht direkt (unter Umgehung des Anbieters) kontaktieren darf
  • Arbeitsbedingungen — Konditionen der Festanstellung (mindestens Gehalt, Benefits, Position)
  • Exit-Klausel — Bedingungen für die vorzeitige Beendigung der Kontraktphase

Rechtliche Besonderheiten in DACH

Im deutschsprachigen Raum sind besondere rechtliche Aspekte zu beachten:

  • Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) in Deutschland — regelt die Überlassung von Arbeitskräften und setzt zeitliche Grenzen
  • Equal-Pay-Grundsatz — nach 9 Monaten Überlassung müssen vergleichbare Arbeitsbedingungen gewährt werden
  • Sozialversicherung — korrekte Abführung von Beiträgen während der Kontraktphase
  • Scheinselbstständigkeit — Vermeidung von Konstellationen, die als verdeckte Arbeitnehmerüberlassung gewertet werden könnten

„Try and Hire” vs. andere Modelle

KriteriumTry and HireDirektrekrutierungStaff Augmentation (rein)Freelancer
RisikoNiedrigHochMittelNiedrig
Time-to-HireMittelLangSchnellSchnell
Kosten kurzfristigMittel-HochNiedrigHochVariabel
Kosten langfristigNiedrigNiedrigHochHoch
Kulturfit-PrüfungUmfassendBegrenztBegrenztMinimal
FlexibilitätHochNiedrigHochSehr hoch
Langfristige BindungJaJaNeinNein

Best Practices für erfolgreiche Try-and-Hire-Prozesse

  1. Klare Erwartungen definieren — Sowohl der Auftraggeber als auch der Spezialist sollten von Anfang an wissen, welche Kriterien für eine Übernahme erfüllt sein müssen
  2. Regelmäßiges Feedback — Monatliche Feedbackgespräche zwischen Auftraggeber, Spezialist und Anbieter
  3. Faire Konditionen — Das Festanstellungsangebot sollte marktgerecht sein und den Wert des Spezialisten widerspiegeln
  4. Integration fördern — Den Spezialisten von Tag eins an wie ein Teammitglied behandeln, nicht wie einen Externen
  5. Transparente Kommunikation — Offener Umgang mit der „Try and Hire”-Situation gegenüber dem bestehenden Team
  6. Frühzeitige Entscheidung — Nicht bis zum letzten Tag der Kontraktphase warten, sondern die Übernahmeentscheidung zeitnah nach ausreichender Bewertung treffen

Zusammenfassung

Das „Try and Hire”-Modell ist eine strategisch wertvolle Option für IT-Unternehmen, die das Risiko von Fehlbesetzungen minimieren und gleichzeitig von der Flexibilität von Staff Augmentation profitieren möchten. Es verbindet das Beste aus zwei Welten: die schnelle Verfügbarkeit und Flexibilität externer Spezialisten mit der Perspektive einer langfristigen, festen Zusammenarbeit.

ARDURA Consulting unterstützt Unternehmen sowohl bei der Vermittlung von IT-Spezialisten im „Try and Hire”-Modell als auch bei der Gestaltung optimaler Vertragsbedingungen. Mit einem Netzwerk von über 500 qualifizierten Seniorspezialisten und einer Vermittlungszeit von durchschnittlich 2 Wochen bietet ARDURA Consulting die ideale Basis für einen erfolgreichen „Try and Hire”-Prozess.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Try and Hire Model?

„Try and Hire" (wörtlich „ausprobieren und einstellen") ist ein flexibles Rekrutierungs- und Beschäftigungsmodell, das Elemente einer temporären oder kontraktbasierten Zusammenarbeit (häufig über Staff Augmentation realisiert) mit der Möglichkeit einer späteren Festanstellung des Spezialisten durch den Au...

Wie funktioniert Try and Hire Model?

Der Prozess wird in der Regel vom Auftraggeber initiiert, der einen Mitarbeiter sucht, aber das Risiko einer traditionellen Festanstellung minimieren möchte: 1. Bedarfsmeldung — Der Auftraggeber definiert das Anforderungsprofil und meldet seinen Bedarf beim Staff-Augmentation-Anbieter 2.

Welche Vorteile bietet Try and Hire Model?

Das „Try and Hire"-Modell bietet Auftraggebern zahlreiche strategische Vorteile: Der größte Vorteil ist die signifikante Reduzierung des Fehlbesetzungsrisikos. Laut Branchenstudien scheitern bis zu 30 % der traditionellen IT-Einstellungen innerhalb der ersten 12 Monate.

Was sind Best Practices für Try and Hire Model?

1. Klare Erwartungen definieren — Sowohl der Auftraggeber als auch der Spezialist sollten von Anfang an wissen, welche Kriterien für eine Übernahme erfüllt sein müssen 2. Regelmäßiges Feedback — Monatliche Feedbackgespräche zwischen Auftraggeber, Spezialist und Anbieter 3.

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